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Notizen

Von den goldenen Schuhen

Zur Feier des fünfzigsten Jahrs auf dem Thron schickte Schuster Schieck 1825 dem Großherzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach goldverzierte Pantoffeln und dies Gedicht [zit. n. Wilhelm Bode; Leben im alten Weimar, 1912.]:

   "Zum goldnen Feste bring ich goldne Schuh,
    Die du mit gnäd'gen Augen wollest sehen;
    Wer solchen Weg, o Herr, gemacht wie du,
    Hat wohl verdient, in goldnen Schuh'n zu gehen.
    Sie sind geschmeidig, innen weich fourniert
    Und werden deinem Fuß sich sanft bequemen.
    Daß reich und künstlich außen sie geziert,
    Wird dich, o Herr, nicht Wunder nehmen:
    Denn da die Kunst in deinem Leben du
    Zu schützen, zu befördern nie verfehlet,
    Was Wunder also, wenn sie bis zum Schuh
    Dem Handwerk sich in deinem Reich vermählet."

Bode kommentierte: Von allen Gedichten, die ihm bei diesen Festen überreicht wurden, erklärte der Fürst, habe ihm Dies am besten gefallen. Und er gab seinem weimarischen Hans Sachsen zum Dank für die goldenen Schuhe eine goldene Dose.

Man sollte, wenn man vom Herrscherlob spricht (HME), dies zum Muster nehmen. Es gibt alles, was der Fürst will. Das im Großen. Und es stimmt im Kleinen. Es beginnt mit Zweck und Gabe. Das Gedicht ist nicht das Geschenk! Goethe sah wieder Gelegenheit gelohnt. Das Geschenk, nicht das Gedicht, drängt sich nicht auf, nicht gleich, es erfleht Gnade. So will ein Mächtiger angesprochen werden. Hat der Kerl Gründe? Schleimt er nicht? O ja - die Macht sei verdient und das sei bewiesen durch: den Schuh. Schieck geht nicht davon aus, vor Thronen zu buckeln, er dankt diesem. Wie trägt man das vor? a) schriftlich, wegen des Abstands (per Post). b) mit einem Zwinkern: als könne der Herzog erstaunen vor dem Geschenk des Handwerkers. Dies Wunder Wunder ist keins, es ist Tat, Herzogstat, Tat, die Taten gebiert. Werk geworden, gold und gut. Vermählet - das letzte Wort ist das Band zwischen Volk und Regent, am Beispiel ausgeführt, belegt, in der Form ausgebildet, dem Anlass angemessen, des Anlass Bild. Und doch spricht er weit über den Tag hinaus: argumentiert, schreit nicht, für die obrigkeitliche Kunstförderung, solange es es Obrigkeit gibt. Das muss man können, wenn der Jubeltext nicht peinlich werden soll. Das ist Maßstab auch für das Gegenteil: das angreifende Gedicht.

 


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