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Notizen

Null ist keine Zahl

Ich bin tot. Was für ein Satz. Höre auf die Toten. Er wird aber ganz gedankenlos gebraucht. Bekanntes Beispiel: Wo bin ich, wenn ich tot bin? Das können wir uns gar nicht leisten. Sprächen wir mit den Toten, wir dürften sie in Bäumen und Vögeln wissen. Schweigen wir aber, dann sind sie nicht irgendwo, sondern in uns. Sind sie nicht in uns, dann sind sie nirgendwo. Ich bin tot, heißt für die anderen: ich bin nicht da. Wer nicht da ist, ist anderswo. Was, wenn alle Menschen gestorben sind? Wo bin ich dann?

Es schrieb aber die Zwetajewa (in der Übersetzung von Christa Reinig): Auch ich ging vorüber. / Jetzt bin ich tot. Ich bin tot. Ich heiße Marina Zwetajewa, liege im Grab und rufe den Leuten Heiterkeit zu. Kann ich das? Ich denke: ja. Es haben nämlich die Toten in ihrem Grab in uns (Sandbox) wiederum einen Ort für uns. B. Traven vermutete (in: Die Bücke im Dschungel), dass sie von den Grabinschriften und Symbolen daran gehindert werden, ihn zu verlassen und in uns einzukehren (sich zu installieren). Darum müssten sie spuken.

 


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