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Notizen

Lebenszeichen

Ich bin allein. Ich brauche keinen Namen. Ich weiß nichts, es ist alles Unfug. Ich habe keine Wünsche. Eben hatte ich noch welche, einen Platz für meine Schuhe, Sex, Sonnenschein, egal. Ich habe ein Kind, ich habe Kartons auszupacken, ich träume, in Säure zu baden. Ich wohne in gekalkten Räumen wie im Kuhstall. Ich bin ein alter Ochse. Ich habe mich vergessen, als ich neun Jahre alt war.

Ich glaube nicht an den Mond, aber ich bin mir sicher, dass ich noch nie ein wahres Wort gesprochen habe. Meine Jacke wärmt mal eben so, mein Gürtel reißt am dritten Tag, verlöre ich ein Bein, ich könnte mir keine Prothese leisten. Baute ich mir, zöge ich in den Wald, ein Klo? Ich würde keinen Winter überleben.

Ich bin mitten im Trubel. Die aufregendsten Zeiten seit 2.500 Jahren. Alle sollen ständig arbeiten. Viele wollen mitreden, könnten das, zumindest technisch. Atombomben löschen Menschen weg aus der Natur, da mag man gleich Kondome ficken. Man hat viel mit Blut gedüngt, aber die Wüste, das Sumpfland, was auch immer.

Ich warte auf die Kannibalen. Auf der Straße brüllt es nachts "Sieg Heil"; ich bin nur vier Kilometer weiter gezogen. Hunger, das fehlte jetzt noch! Ein Ofen wäre auch nicht schlecht. Zahnschmerzen und die in der Brust, das sind die lebendigsten Empfindungen. Ich könnte aus dem Fenster fallen. Ich putze Fenster, weil es getan werden muss.

Ich schreibe jetzt größer, um meine Handschrift wieder lesen zu können.

 


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