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Notizen

Herrchen und Frauchen

Herrchen und Frauchen werden seit Mitte des 18. Jahrhunderts gedruckt - zuerst dank Literaten, die das aufsteigende Bürgertum, sich selbst, heiter nahmen. Doch bald hatte sich der Witz erschöpft, im 19 Jahrhundert herrschten oben Damen und Herren vor (heut überall) und unten Männer und Frauen (die bessere Zeiten kannten). Die Wörter wurden frei, erst für Katzen-, dann für Hundehalter. Ein Wort war nötig, Hunde zogen in Städte und Arbeitersiedlungen, dienten weniger Zwecken, wurden zum Zweck, Hundehalter definierten sich über die Hundehaltung und brauchten einen Namen, zum Hund von sich in der dritten Person zu reden - und schließlich voneinander. Hundehalter = Herrchen (in Beziehung zum Hund); Hundehalterin = Frauchen. Eine naive Lösung. Manche scherzten, es seien liebevolle Ausdrücke, die das Gewaltsame des Herrschens verdecken sollten, andere, es handle sich um Spott über kleine Leute, die mittels Hund auch jemandes Herr oder Frau (damals schon Dame) sein konnten. Weitere Beziehungen zum Hund (Hundesitter = Onkelchen, Ritterchen?) sind noch auf der Suche. Seit 1980 häufen sich die Herrchen und Frauchen in den von Google gescannten Büchern und im Zeitungswortschatz. Die Zahl der Hunde in Deutschland hält da nicht mit (sie bleibt im europäischen Vergleich niedrig). Herrchen und Frauchen sind gewöhnliche Bezeichnungen Gassi gehender Menschen geworden, das Frauchen etwas geläufiger. Nett, sagte ein Hundehalter meiner Frau, dass er zum Herrchen (das bin ich) nun das Frauchen kennenlerne. Man erkennt sich am Hund (und ohne Hund oft nicht). Darf ich also Hassos Halter Meier Herrchen Meier nennen? Zumindest sind der hohe Herr, die große Dame mit Hund eben auch Herrchen und Frauchen und, besonders im Wald, ansprechbar. Die Hunde heißen übrigens nicht Hasso, gar Bello, sondern Heinz oder Leni, was mich mehr irritiert als dieser Diminutiv.

 


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