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Notizen

Frühwirtschaft

    Im Märzen der Bauer, die einen, Der Deutschen Wirtschaft, die andern -
    das geht nicht auf.

Mir sind die Prediger der Verknappung unsympathisch. Ich glaube da auch nicht an Kunst. Doch mag ich die Blumenmädchen* - bin also nicht gegen den Handel eingenommen. Am Samstag sah ich die Ersten des Jahres, kümmerliche Frühblüher in der Hand. Man braucht nicht nur Blüten, es müssen auch Blätter dabei sein. "Grün", sagt meine Floristin.

Merzen

Wenn ich auf die Wiese gehe, gleich hier links, und selber pflücke: seid ihr mir bös? Sie kichern. Dann sagt eine: "Es ist nass." Eine sagt: "Matschig." Eine zeigt ihre Schuhe, ihre Märzenbecher, ihre Leberblümchen, sagt: "Fünfzig Cent." Kinderglaube - dass es menschlich zuginge im Märchenbuch. Gegenüber üben Jungen mit Feuerwerk.

Lenzen

Zeigt her eure Schuhe, Narzissen und Hahnenfuß, es ist alles nur Tun und Finden. Du findest es, es findet dich. Das Geschäft deines Lebens. Meins fand unter der Küchenspüle statt: für nur zehn Pfennig sang ich nicht. Ich hätte Erpresser werden können. Immerhin wurde ich Anonymer. So ein Beruf. Ich zeige meine Schuhe nicht - man weiß gar nicht, wie man über den Sumpf kam.

Glänzen

Sie haben aber die Blätter abgemacht. Das war nicht gut. Sie hätten krautige Sträuße mit kräftigem Frühling haben können. Was kümmert uns das? Sie verkaufen alle! - Am Mäuerchen. Eine sagt: "Ich brauche Geld, Sie haben es. Ich gebe Ihnen Blumen dafür." Die wilden Buben kommen herüber und fragen nach einem Feuerzeug. Die Sonne scheint.

Ruhetag

Gestern war es dann etwas grau. Ist das alte Laub gerecht, fehlt das Gras. Brandenburger Boden bangt, es kommt noch Frost. Ein Bauer hat seinen Traktor eingespannt. Wenn die stillgelegte Traktorenfabrik verstaatlicht wird, werden die Wächter wohl keinen Mindestlohn bekommen. Sie zeigen ihre Schuhe her, aber es hilft nichts. Spaziergänger könnten ihnen Blumen schenken, die sie bei den Kindern kaufen.

 
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*Celan

 


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