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Notizen

Dreierlei Schleier

Als ich ein junger Gott war, hatte ich oft nichts anzuziehen. Später lernte ich die Welt. Dass das Kleid den Menschen macht, wie der Spruch sagt, dass fester Schuh mehr gilt als fester Rücken, dass das Wie allemal das Warum schlägt. Vom Brett nämlich. Weise Götter schaffen keine Welten, sondern Kaspertheater. Weil echte Menschen sich nicht einfach an- und ausziehen lassen. Als der liebe Gott noch der wilde Gott war, mit Heuschrecken und Wirbelwinden, ging er wohl nackt. Im Alter trug er weiße Gewänder. Die Werbefarbe der Hygiene. Die geflügelten Jungfrauen im Paradies, bevor sie selbst Babys wurden, der zarteren Haut wegen, wuschen und windelten ihn und hätten jeden Fleck gleich gesehen. Aber sie sahen keinen. Denn die Flecken waren die Haut und der Kittel strahlte, wie er definiert war. Ich hingegen werde mir derlei kaum leisten können.

 


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