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Notizen

Dauer und Bewegung

In den Harmonien unserer Musik finden wir, u.a. nach Thomas Michael Schmidt*, u.a., die der Läufe der Planeten, wie sie von der Erde aus zu sehen sind. Daraus folgert u.a. Schmidt, dass ein höheres Wesen unser Sonnensystem sinnvoll eingerichtet hat. Es ist natürlich umgekehrt: vieles verändert sich im Leben, manches bleibt gleich - und manches dauert länger als der Mensch, als das Leben überhaupt auf der Erde. Das prägt. Wie schon das unterschiedliche Erleben der Sonnenauf- und untergänge, der Jahreszeiten usw. verschiedene Menschen und Kulturen bildet.

Unser Schönheitsempfinden ist ganz irdisch, erdgebunden. Dort vom Herkommen abhängig. Asiatische Musik verstehen nur wenige Europäer. Weltkunst kann sich allein auf die großen Konstanten, z.B. den Himmel, zurückziehen oder gar nicht mehr sinnlich-ästhetisch erfasst werden wollen (in dem sie sich z.B. nur dem Verstand, statt den Sinnen, erschließt).

So bleiben wenige Klänge, Bilder oder Geschichten - und es steigt die Bedeutung der Ausführung, der Form. Artistik auf hohem Niveau mit wenigen Inhalten. Das herauszuarbeiten war die Leistung des europäischen 19. Jahrhunderts. Dem 20. blieb, das Niveau durch Arbeitsteilung zu steigern. Kopierkunst, die die Sinne überwältigt. Im 21. kommt nun allmählich an, was man sich Anfang des 20. schon gedacht hatte: dass man dann auch rumblödeln kann. Als Einzelner. Sonst bleiben an kleinkünstlerischen Alternativen nur Rührung und Verwirrung. (Für Minuten: der tolle Straßengeiger wird gleich gefilmt.) Und dass man zerlegen muss, schneiden, das Viele zurückgewinnen. Das Schneiden wird wichtiger als das Kleben. Wie es auch nicht mehr um Informationsbeschaffung, sondern um Informationsvermeidung geht.

Heute, da vieles rast, kommt man ohne Esoterik zu ähnlichen Ergebnissen. Etwa wenn man aus dem Fenster eines fahrenden Zuges schaut.

Ein Gedicht von Friedrich Hagen, Rufende, überall Rufende, der Schluss, bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof:

*Thomas Michael Schmidt: Musik und Kosmos als Schöpfungswunder.
   Von der mathematischen Harmonie der Töne und Planetenbewegungen
   Frankfurt/Main 1974

 


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