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Notizen

bistrotisch

Ich habe eine Charakterskizze verfasst und hergezeigt - nett sei sie, eine feine Satire auf den pfiffigen Saarländer, hab ich gehört. Einer, der gleich an Zerstreuung denkt, fühlte sich an Pnin erinnert, Nabokovs drollige Figur, was mich noch härter traf. Tatsächlich wollte ich den bistrotischen Charakter beleuchten, weder den blasierten Pnin, noch die emsige Digitale Bohème, nicht die Bibliothek im Gartenhäuschen, noch Starbucks oder ein Barcamp besuchen. Und auch keine Kneipe in Homburg, eher ein Vereinsheim mit Terrasse in Ostberlin. Wäre ich Schriftsteller, mir sollte das peinlich sein. So wundere ich mich, nicht mitteilen zu können, was, bzw. wer bistrotisch ist. Claudia B. z.B. war es, aber wer kannte sie schon? Als Adjektiv ist bistrotisch peotisch, weil ich ein Werbeschild für einen Bistrotisch im Vorübergehen falsch gelesen hatte. Seitdem ist mir das Wort recht nützlich. Leider nur mir. Und eben das scheint mir typisch für die Peotik: Die Fehllesung, das Verhörte schlüpft in eine Lücke, die man gerade nur selber hat, liefert ein Wort, das nicht alle, sondern nur einer braucht, das eine individuelle Wahrnehmung sagbar macht - im Selbstgespräch.

 


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