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Notizen

Autor eines Wortes

Motherless. ...
If we acknowledge that this is a work of art, can the author assert ownership? Is it possible to copyright a one-word poem?

www.poets.org/viewmedia.php/prmMID/19151

Autorschaft ist dem Autor das erste Thema, ich mag es kaum Gegenstand nennen, DER Eigenstand. Und der Wissenschaft auch. Ich muss leider zugeben: All die tollen Werkzeuge der Textanalyse basieren auf Forschungen mit dem Ziel, Autoren zu identifizieren. (Heute: Straftäter.) Zuerst Homer. (War er einer? Ja.) Autorschaft loswerden - das ist seit etwa dem Ersten Weltkrieg ein anderes Thema, vom Ready Made bis zum Würfeltext. Sogleich marschierten die Magier dagegen, mit automatischem Schreiben etwa, bei dem nicht die Automaten schrieben, sondern "die Seele selbst"; igitt. So steigerte man sich - auf beiden Seiten - zum reinsten Zufall. Ich nicht. Meine Automaten überlassen nichts dem Zufall, finden ihrer strengen Regeln Werte stets im Material. Ich glaube gar nicht an Zufall. Nun gut, Wörtermachen: Im Deutschen ist das sehr einfach durch Zusammensetzung. Hier eine Tabelle, da eine Tabelle, plus. Aber erfinden? Das Erfinden ist nichts als Finden. Elektrizität z.B. war schon da. Anders die Konstruktion, die Zeichnung des Architekten. Sie nenne ich nicht Erfindung. Autoren finden nicht, sie schöpfen. Damit ihnen, was sie schöpfen, auch gehört, schöpfen sie aus sich, sagen sie, nicht etwa aus der Sprache oder der Nachbarschaft. Es sei denn, sie sind Ingenieure und konstruieren. Dann haben sie die Begriffe durcheinander gebracht. Oder sind Amerikaner. Autoren, die ein einzelnes Wort schöpfen, können sich, darauf zielt die Frage von David R. Slavitt, nicht auf das Urheberrecht verlassen. Sie brauchen (in Deutschland) das Markenrecht. Lego z.B. ist ein Wort, das gehört. Vorgeschlagen ist hier also ein Trick. Nenne das eine Wort Gedicht und warte ab, ob es als Eigentum akzeptiert wird.

Ich habe mir einige Wörter ersonnen (ganz ohne Maschine) und warte ab, wie viele davon ein Jahr später unter anderen Adressen im Web auftauchen werden. Weder glaube ich, dass die dann bei mir abgeschrieben sind, noch, dass sie mir gehören. Ich bin ja kein Autor. Ich bin nur neugierig.

achtetisch
Asedeut
augenzeitig
Bagatellehre
curriculieren
Denkiment
Deutase
Flutfrieden
Folgsal
freundaus
Gangaller
Glaubiteur
gleichieren
Grinsekaner
gurudiun

Hangität
herrisieren
hörmaßen1
Hordenei
Igenschlag2
ihrengleich3
Ikumstell
Immenbecher 
innigdich4
Jadezahl
Kommeuse5
lesifizieren
Liebesdurft
lositisch
machiös

Mantelherz
missnehmen
multikund
Prekator
Purzelkünstler
Ratzikum
satzhalben
Standatur
Stimmitiv
Strebizont
Tacheler6
urbinden7
Vaterschnuppen
Weitermenschen8
widerkund9

Nachtrag: Ich hatte die Wörter vergessen. jetzt, sechs Jahre später, setze ich die Notiz ins Archiv und sehe nach. Wörter, die ich (einfache Abfrage bei Google) gefunden habe, setze ich kursiv.

  1. via Google Books in einer Quelle von 1831
  2. via Google Books in einer Quelle von 1717
  3. via Google Books in einer Quelle von 1814
  4. via Google Books in einer Quelle von 1866
  5. via Google Books in einer Quelle von 1574
  6. via Amazon in einem französischen Titel von 1995
  7. via Google Books in mehreren Quellen ab 1795
  8. nur als Tippfehler
  9. in Grimms Wörterbuch, woerterbuchnetz.de/DWB/

Wörter, die Google Books fand, inzwischen scannte, erfand ich, als ich dachte, dass ich sie erfand, konstruierte (fand oder bastelte, beides kam vor), also nicht. Was hätte ich auch davon, Erfinder eines Wortes zu sein? In der Sprache kann man nichts allein. Nie.

 
& das gibt es vielleicht auch...

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Betagtenförderung
Contragrammierer
Datenandiener
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Entsorgungsstrafrahmen
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Fossilgeräte
Gedenktagkritik
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