die.hor.de

Notizen

Aus origineller Grille Kleineigentum

Was da ist, das ist mein! hätte er [Byron] sagen sollen, und ob ich es aus dem Leben oder aus dem Buche genommen, das ist gleichviel, es kam bloß darauf an, daß ich es recht gebrauchte! Walter Scott benutzte eine Szene meines 'Egmonts', und er hatte ein Recht dazu, und weil es mit Verstand geschah, so ist er zu loben. So auch hat er den Charakter meiner Mignon in einem seiner Romane nachgebildet; ob aber mit ebensoviel Weisheit, ist eine andere Frage. Lord Byrons Verwandelter Teufel ist ein fortgesetzter Mephistopheles, und das ist recht! Hätte er aus origineller Grille ausweichen wollen, er hätte es schlechter machen müssen. So singt mein Mephistopheles ein Lied von Shakespeare, und warum sollte er das nicht? Warum sollte ich mir die Mühe geben, ein eigenes zu erfinden, wenn das von Shakespeare eben recht war und eben das sagte, was es sollte? Hat daher auch die Exposition meines 'Faust' mit der des 'Hiob' einige Ähnlichkeit, so ist das wiederum ganz recht, und ich bin deswegen eher zu loben als zu tadeln.
Goethe a. 18.01.1825, n. Eckermann: Gespräche mit Goethe, 1848.

 

Und dass die Jugend, überhaupt schier alle Welt, sich nimmer um das Geigentum schere, das Urheberrecht an Akzeptanz verlöre vor dem Internet, die Sitten verfielen usw., das ist bloß Unfug. Tatsächlich ist die Idee so neu, sind ihr Gesetz und ihre Zwangsmittel so ungewohnt, dass gar keine Sitte besteht, die verfallen könnte. Es soll vielmehr das sittenwidrige, unnatürliche, unserer Tradition fremde Ansinnen eines Eigentums am Geiste erst eingeredet werden. Nicht wir sind vom rechten Weg abgekommen, sondern der Weg soll nicht mehr der rechte sein, der der momentanen, modernen, Praxis der Gewerbebetriebe nicht entspricht.

 


©